Okt
17
2013

Trainerin mit Gespür

1381412_718775291484839_1697659982_n.jpg  JUDOMAGAZIN | von O. Kauer-Berk | Foto: J. El

Die Perspektive ist für Yvonne Bönisch eine andere geworden. Bei
Wettkämpfen schaut sie von außen zu, auf der Trainingsmatte gibt sie
selbst den Takt vor. Dass sie als Trainerin arbeitet, hat sich für die
32 Jahre alte Olympiasiegerin von 2004 „schon während meiner aktiven
Laufbahn ergeben“. Als sie noch um internationale Medaillen kämpfte,
machte sie den Trainerschein und leitete beim UJKC Potsdam
Nachwuchsjudokas an. „Ich habe schnell gemerkt, dass mir die Arbeit mit
Jugendlichen viel Spaß macht“, sagt Yvonne Bönisch.

Inzwischen ist sie Cheftrainerin am Stützpunkt in Potsdam und seit
diesem Jahr Landestrainerin in Brandenburg. Bönisch schaut nach links
und rechts. Vor anderthalb Jahren hat sie erfolgreich das Studium zur
Diplom-Trainerin an der Trainerakademie in Köln abgeschlossen; sie ist
Fachpraktikerin für Massage, Wellness und Prävention; sie hat bei einem
privaten Studieninstitut ein Diplom zur Sportmanagerin erlangt und sie
beendet in diesem Oktober ihr Bachelor-Studium Sportmanagement an der
Europäischen Sportakademie in Potsdam. Es sei immer gut, eine berufliche
Alternative zu haben, sagt sie, den Plan B hat sie in ihrer Tasche.

Momentan ist jedoch alles prima. Rundherum zufrieden sei sie mit ihrem
aktuellen Job, auch wenn sie des Öfteren gefragt wird, ob sie nicht mit
einer Stelle als Bundestrainerin liebäugelt. Jene Frage kommt auf eine
Olympiasiegerin und zweimalige WM-Zweite zwangsläufig zu, allenfalls „im
Hinterkopf“ verschwendet sie selbst daran einen Gedanken. „Momentan ist
es einfach schön, zu sehen, was ich entwickelt habe, zu merken, wie sich
die jungen Sportler auch persönlich entwickeln.“ Sie könne Athleten
formen, als Bundestrainerin wäre das kaum noch möglich.

Selbst wenn der Olympiasieg die eine oder andere Tür geöffnet hat, werde
sie heute „über meine Arbeit definiert“. Sie habe einen guten Draht zu
ihren Sportlern, „aber ich habe auch gelernt, wie man sich als Trainer
durchsetzt“. Zur engeren Trainingsgruppe von Bönisch und ihrem Potsdamer
Co-Trainer Mario Schendel gehören rund 30 junge Judokas. Für die wird
auch mal ein Sommer-Trainingslager an der Ostsee organisiert. Der
Zusammenhalt muss stimmen. Yvonne Bönisch ist sicher: „Ein Trainer
benötigt viel Fingerspitzengefühl, muss psychologisch und pädagogisch
genauso auf dem neuesten Stand sein wie in trainingswissenschaftlichen
Dingen.“ Gerade für das Training mit Jugendlichen und Kindern brauche
man Gespür, „vor allem in einer Zeit, in der sich nicht mehr so viele
für den Leistungssport begeistern lassen, wie das noch früher der Fall
gewesen ist, weil es heute ganz andere Freizeitmöglichkeiten gibt.“

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