Jan
18
2013

Goldene Schule

bony-homepage2013.jpg Pressebericht MAZ – Ronny Müller

Die Goldmedaille liegt daheim in einer Vitrine. Gut acht Jahre ist es her, dass Yvonne Bönisch erste deutsche Olympiasiegerin im Judo geworden ist. Mittlerweile gibt die 32-Jährige ihre Erfahrungen als hauptamtliche Cheftrainerin beim Universitäts-Judo- und Kampfsportclub (UJKC) Potsdam weiter. Seit 1. Januar dieses Jahres ist Yvonne Bönisch außerdem Landestrainerin Brandenburgs und wird damit vom Landesverband und vom Olympiastützpunkt bezahlt.

Nächste Bewährungsprobe ist die deutsche Meisterschaft am Wochenende im sächsischen Riesa. Der UJKC Potsdam ist mit fünf Startern vertreten, darunter die Mitfavoriten Robert Kopiske und Claudia Ahrens. „Zwei Medaillen sind unser Ziel“, sagt Bönisch, die als Aktive zwei Mal deutsche Einzel-Meisterin geworden war. Diese Erfolge stehen jedoch im Schatten des olympischen Triumphes von Athen. „Das war eine geile Zeit“, erinnert sie sich gern.

Doch wer einmal den olympischen Thron bestiegen hat, bei dem liegt die Messlatte sehr hoch. 2008 in Peking lief es mit Platz neun nicht so wie erwünscht. „So wollte ich meine Karriere eigentlich nicht beenden“, erzählt Yvonne Bönisch. „Ich habe lange gehadert, mich zu entscheiden. Aber die Motivation für London 2012 war nicht mehr da.“ Zuerst stieg sie 2009 aus dem internationalen Wettkampfgeschehen aus, wenig später zog sich die gebürtige Ludwigsfelderin auch aus der Mannschafts-Bundesliga zurück. Heute ist sie sich sicher: „Es war der richtige Weg.“

Denn so konnte sich die Potsdamerin auf ihr Studium an der Trainerakademie in Köln konzentrieren, das sie im Vorjahr mit dem Diplom abgeschlossen hat. Bönisch: „Das Ziel, Trainer zu werden, hat sich während der Laufbahn entwickelt. Ich habe gemerkt, dass es mir Spaß macht.“

Ihr olympisches Gold wirft sie dabei nicht in die Waagschale. „Ich werde über meine Arbeit definiert, nicht über meinen Olympiasieg, auch wenn der vielleicht die eine oder andere Tür geöffnet hat.“ Auch zu Motivationszwecken mag sie ihren Coup nicht anführen. „Ich erwähne nie, was ich gewonnen habe und wie ich dafür trainiert habe. Meine Sportler sollen an ihre eigenen Leistungsgrenzen gehen.“

Zuckerbrot und Peitsche gehören jedoch zu ihrem Repertoire. „Ich habe einen guten Draht zu den Sportlern. Aber ich habe auch gelernt, wie man sich als Trainer durchsetzt.“ Sie sei schließlich durch eine gute Schule gegangen. Ihr Trainer war Axel Kirchner, der eher als autoritär gilt. Mit dem UJKC-Macher war Yvonne Bönisch einst sogar liiert. Heute sind sie beste Freunde, Bönisch Single. Kirchner legt den Fokus nun mehr auf seinen Job als Lehrertrainer an der Potsdamer Sportschule und hat den Weg für Bönisch als Cheftrainerin frei gemacht. „Die Vorbildwirkung einer Ausnahmesportlerin wie Yvonne Bönisch ist für unseren Verein unersetzlich“, sagt Michael Goldschmidt, Präsident des 600 Mitglieder starken UJKC.

25 bis 35 Sportler hat Yvonne Bönisch, die nebenbei Sportmanagement studiert, in enger Betreuung. „Ohne meinen Co-Trainer Mario Schendel wäre das nicht zu schaffen.“ Als Aktive war Bönisch technisch stark. „Darauf lege ich in der Ausbildung großen Wert, aber ohne Kraft und Kondition geht es nicht.“ Auf den Job als Bundestrainerin schielt die Übungsleiterin nicht. „Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich jetzt mache.“ Der Erfolg von Athen hat ihr auf dem Weg sicher geholfen.

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